76. Im Wartezimmer
von
Wolf-Alexander Melhorn
Da saß sie nun,
hereingeweht vom Tatendrang.
Ein Leben
das sich Zukunft wollte.
Der Anblick?
Schön,
dass er zum Grübeln brachte
Und mir die Augen zu ihr zwang!
Die aber dann,
im Wissen,
dass die Schicklichkeit es so gebot,
doch flink genug beiseite eilten,
sobald sie ihren Koipf herüberwandte.
Sie hatte mich so aber schon geprüft,
bevor ich ahnte,
was ich wollte:
Gewissheit, die sich selbst vertraut!
Nachdem ich so den Reiz genossen,
wies mich jedoch das Alter ebenso in Schranken
- wie auch der schmucke Mann an ihrer Seite,
mit dem sie wartend inniglich die Hände schränkte,
als wolle sie ihn dadurch schützten.
Oder gab er ihr hier Mut, mit so Vertrautheit?
Der Abstand, den ich damit wieder hatte,
berührte mir Erinnerung,
die längst schon überwunden war
- und nun doch Lächeln zu mir brachte.
Doch dann kam dieser Augenblick,
in dem sich Augen ernsthaft treffen
und sich verstehend beide Seelen tauschen.
Ohne dass der Schöne es bemerkte
- wie Männer selbstbewusst das selten tun! -
lächelten mir diese Augen direkt zu,
im Wissen über Dinge zwischen uns,
die selten sich so offenbaren
und weder Worte
noch Berührung brauchen.
Kein Umtanzen von Gedanken,
mit Fordern, Wünschen und Gewähren
- nur ein Geben!
Aus einer Ruhe,
die sich sicher wähnt
- denn ihre Zukunft saß an ihrer Seite!
